Hexenverbrennungen - wann sie wirklich stattfanden

Metin Winkler .

1. August 2026

Eine grausame Szene: Menschen, darunter ein Kind, werden auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Die Frage "Hexenverbrennung wann" wirft ein Schlaglicht auf diese dunkle Epoche.

Die Hexenverbrennungen gehören nicht ins Mittelalter im engeren Sinn, sondern vor allem in die Frühe Neuzeit. Wer den Zeitraum verstehen will, muss zwischen frühen Vorläufern, der eigentlichen Hochphase und den späten Ausläufern unterscheiden. Ich ordne hier genau das ein: wann die Verfolgungen einsetzten, warum sie eskalierten, wie stark der deutsche Raum betroffen war und weshalb das Thema bis heute mit Tradition, Glauben und regionaler Identität verknüpft bleibt.

Die wichtigsten Eckdaten in Kürze

  • Die eigentliche Hochphase lag ungefähr zwischen 1550 und 1650.
  • Als breitere europäische Verfolgungswelle gilt meist die Zeit von etwa 1450 bis 1750.
  • Im heutigen Deutschland und im Heiligen Römischen Reich waren die Prozesse besonders heftig.
  • Der Begriff Hexenverbrennung ist nur grob zutreffend, weil nicht jedes Urteil auf dem Scheiterhaufen endete.
  • Späte Einzelfälle gab es noch im 18. Jahrhundert, etwa 1751, 1756 und 1775.
  • Für das regionale Gedächtnis ist das Thema bis heute wichtig, weil es zeigt, wie Angst, Recht und religiöse Ordnung zusammenwirkten.

Eine grausame Szene: Menschen verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Die Frage

Wann die Hexenverbrennungen tatsächlich stattfanden

Die kurze Antwort auf die Frage nach der Hexenverbrennung lautet: nicht an einem einzigen Datum, sondern über mehrere Jahrhunderte hinweg. Wenn man historisch sauber arbeitet, trennt man zwischen frühen Vorläufern, der massiven Verfolgungswelle der Frühen Neuzeit und den späten Restbeständen, die bis ins 18. Jahrhundert hineinreichten.

Phase Zeitraum Was das bedeutet
Frühe Vorläufer etwa 1450 bis 1550 Erste Prozesse und juristische Vorformen, aber noch keine flächige Massenverfolgung.
Hochphase etwa 1550 bis 1650 Hier lagen die meisten Verfahren und Todesurteile. In vielen Regionen verschärfte sich die Dynamik deutlich.
Abklingen etwa 1650 bis 1750 Die Verfolgung verlor an Breite, blieb aber lokal noch möglich.
Späte Einzelfälle 1751, 1756, 1775 Sehr späte Prozesse im deutschen Raum; nicht jeder endete mit einer Vollstreckung.

Wichtig ist noch ein Detail, das oft übersehen wird: Hexenverbrennung ist ein Sammelbegriff. Nicht überall wurde verbrannt, manchmal lautete das Urteil auf Enthauptung, Hängung oder andere Strafen. Wer die Frage „wann“ stellt, sollte also nicht nur auf Jahreszahlen schauen, sondern auch auf die Art der Gerichtspraxis. Genau an diesem Punkt wird aus einer Datumsfrage eine Geschichte über Macht, Angst und Rechtsordnung.

Warum die Verfolgungen in der Frühen Neuzeit eskalierten

Ich würde die Eskalation nie auf einen einzigen Auslöser reduzieren. Die Verfolgungen nahmen zu, weil mehrere Krisen zusammenkamen: religiöse Spannungen nach Reformation und Gegenreformation, soziale Unsicherheit, Missernten, Kriegsfolgen und eine Strafjustiz, die Verdacht oft härter behandelte, als man es heute erwarten würde. In so einem Klima konnten Nachbarschaftskonflikte schnell in Hexereibeschuldigungen umschlagen.

Dazu kam ein juristischer Faktor, der entscheidend war: Die Constitutio Criminalis Carolina von 1532 schuf keine eigene Hexenordnung, prägte aber die Strafpraxis im Reich. Verdacht, Geständnis, Denunziation weiterer Personen und Folter bildeten ein System, das aus einzelnen Anschuldigungen ganze Ketten von Verfahren machen konnte. Das ist kein Randdetail, sondern der eigentliche Motor vieler Massenprozesse.

Auch der Buchdruck spielte mit hinein. Flugschriften, Predigten und Prozessberichte verbreiteten das Bild einer organisierten Hexengefahr viel schneller, als lokale Gegenstimmen es entkräften konnten. Ich halte gerade diesen Punkt für zentral: Wo Angst öffentlich erzählt und juristisch bestätigt wird, entsteht leicht ein selbstverstärkender Kreislauf. Von hier ist es nicht weit zur Frage, warum einzelne Regionen so viel stärker betroffen waren als andere.

Wie unterschiedlich der deutsche Raum betroffen war

Der deutsche Raum war kein einheitlicher Block. Besonders heftig traf es kleinteilige Territorien, geistliche Fürstentümer und Regionen, in denen lokale Obrigkeiten großen Zugriff auf Gerichte und Strafverfolgung hatten. Dort konnten Prozesse schneller eskalieren, weil weniger zentrale Kontrolle eingriff. In stärker geordneten Territorien bremste die Obrigkeit Auswüchse eher ab.

Region Typisches Muster Historische Aussage
Süddeutsche geistliche Territorien Serienprozesse und harte Strafpraxis Hier gehörten Massenverfolgungen zu den bekanntesten und folgenreichsten Fällen.
Rheinland und mittlere Reichsgebiete Lokale Wellen, oft in Krisenzeiten Verdächtigungen konnten sich stark zuspitzen, ohne überall dieselbe Intensität zu erreichen.
Späte Randfälle Einzelprozesse im 18. Jahrhundert Sie zeigen, dass das Ende nicht abrupt kam, sondern lange nachwirkte.

Zu den bekanntesten großen Prozesswellen zählen Trier, Fulda, Bamberg und Würzburg. Gerade Würzburg und Bamberg zeigen, wie gefährlich die Kombination aus lokaler Machtkonzentration, religiösem Druck und Angst vor sozialer Unordnung werden konnte. Die Forschung schätzt europaweit insgesamt etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer; ein großer Teil entfiel auf die Gebiete des Heiligen Römischen Reiches. Das ist historisch gesehen kein Nebenschauplatz, sondern eines der brutalsten Kapitel frühneuzeitlicher Strafkultur.

Warum das Thema zu Tradition und Identität gehört

Für die Frage nach Tradition und Identität ist die Hexenverfolgung besonders heikel, weil sie nicht nur über Gerichte spricht, sondern über das Selbstbild von Gemeinschaften. In vielen Orten sind aus den historischen Ereignissen später Gedenkformen entstanden: Tafeln, Ausstellungen, lokale Rundgänge oder Einträge in Ortschroniken. Das kann sinnvoll sein, solange es nicht in Folklore kippt.

Ich halte die Unterscheidung zwischen historischer Realität und späterer Erzählung für entscheidend. Viele sogenannte „Hexenorte“ wurden erst viel später zu solchen gemacht. Sagen über Hexensteine, Hexenpfade oder alte Flurnamen sind oft mehr Ausdruck späterer Deutung als Beleg für ein konkretes Verfahren. Das schmälert ihren kulturellen Wert nicht, aber es verändert ihre Aussage. Tradition ist hier nicht automatisch Quelle, sondern häufig bereits Interpretation.

Gerade deshalb sagen Hexenprozesse viel über Identität aus: Wer wird als fremd markiert, wer bekommt Deutungshoheit, und wie verarbeitet eine Region ihre eigene Gewaltgeschichte? Das sind keine abstrakten Fragen. Sie bestimmen bis heute, wie Erinnerung öffentlich gepflegt wird und ob man Opfer ernst nimmt oder nur ein dunkles Kapitel dekorativ ausschlachtet. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zu den späten Fällen, die das Ende der Verfolgung sichtbar machen.

Was die späten Fälle über das Ende der Verfolgung verraten

Die späten Fälle zeigen am klarsten, dass die Hexenverfolgung nicht einfach an einem Stichtag verschwand. In Endingen am Kaiserstuhl wurde 1751 noch eine Frau hingerichtet. Für Landshut gilt 1756 als wahrscheinlich letzter Fall einer Hexenhinrichtung auf Reichsboden. Und in Kempten wurde Anna Maria Schwegelin 1775 zwar verurteilt, das Urteil aber nicht mehr vollstreckt; sie starb 1781 im Gefängnis.

Diese Daten sind wichtig, weil sie die Hochphase von den Ausläufern trennen. Wer nur die spektakulären Massenprozesse des 16. und frühen 17. Jahrhunderts kennt, unterschätzt leicht, wie lange altes Denken in Gerichten und Amtsstuben weiterlebte. Die Aufklärung veränderte das Klima, aber sie löschte ältere Strafvorstellungen nicht über Nacht aus.

Auch europäisch betrachtet kam das Ende spät. In der Schweiz wurde 1782 mit Anna Göldi einer der letzten legalen Hexenprozesse vollstreckt. Für den deutschen Raum bleibt aber vor allem der Befund wichtig: Die eigentliche große Welle lag längst zurück, doch einzelne Fälle hielten sich erstaunlich lange. Genau deshalb sollte man die Frage nach dem „Wann“ immer mit der Frage nach der Intensität verbinden.

Was von dieser Geschichte für heutige Erinnerung bleibt

Für die heutige Erinnerung zählt vor allem, historisch präzise zu bleiben. Wer über Hexenverfolgung spricht, sollte drei Dinge sauber auseinanderhalten: den Zeitpunkt der Verfolgung, die Art der Strafe und die spätere Erzählung darüber. Erst dann wird sichtbar, was wirklich geschah und was erst später aus der Geschichte gemacht wurde.

  • Jahreszahlen prüfen, statt eine einzige Epoche zu verabsolutieren.
  • Gericht und Vollstreckung trennen, weil nicht jedes Urteil in einer Verbrennung endete.
  • Tradition kritisch lesen, weil Ortsmythen oft spätere Deutungen sind.
  • Opferperspektive mitdenken, statt nur spektakuläre Prozesse zu erzählen.

Genau darin liegt der bleibende Wert des Themas: Die Hexenverbrennungen erklären nicht nur ein frühes Kapitel europäischer Geschichte, sondern auch, wie eng Glaube, Ordnung und lokale Identität miteinander verwoben sein können. Wer das versteht, liest regionale Traditionen nüchterner, aber auch gerechter.

Häufig gestellte Fragen

Die eigentliche Hochphase lag etwa zwischen 1550 und 1650. Als frühe Vorläufer nennt der Artikel ungefähr 1450 bis 1550, das Abklingen 1650 bis 1750. Späte Einzelfälle gab es noch 1751, 1756 und 1775. Wichtig ist auch: Nicht jedes Urteil endete auf dem Scheiterhaufen.
Die Eskalation entstand aus mehreren Krisen zugleich: religiöse Spannungen nach Reformation und Gegenreformation, soziale Unsicherheit, Missernten und Kriegsfolgen. Dazu kam eine harte Strafjustiz mit der Constitutio Criminalis Carolina von 1532, in der Verdacht, Geständnisse, Denunziationen und Folter eine Verfahrenskette auslösen konnten. Flugschriften und Predigten verstärkten die Angst zusätzlich.
Besonders heftig traf es kleinteilige Territorien und geistliche Fürstentümer, weil dort lokale Obrigkeiten großen Zugriff auf Gerichte und Strafen hatten. Zu den bekanntesten Wellen zählen Trier, Fulda, Bamberg und Würzburg. Europaweit werden etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer geschätzt, ein großer Teil davon im Heiligen Römischen Reich.
Sie zeigen, dass das Ende nicht abrupt kam. In Endingen am Kaiserstuhl wurde 1751 noch eine Frau hingerichtet, in Landshut gilt 1756 als wahrscheinlich letzter Fall einer Hexenhinrichtung auf Reichsboden, und in Kempten wurde Anna Maria Schwegelin 1775 zwar verurteilt, das Urteil aber nicht mehr vollstreckt. Die Aufklärung veränderte das Klima, löschte alte Strafvorstellungen aber nicht sofort aus.
Weil viele Orte die Geschichte später in Tafeln, Ausstellungen, Rundgänge oder Ortschroniken aufgenommen haben. Gleichzeitig sind viele sogenannte Hexenorte erst später so gedeutet worden, und Sagen über Hexensteine oder Hexenpfade sind oft eher spätere Interpretation als Beleg für ein echtes Verfahren. Wer das Thema ernst nimmt, trennt daher historische Realität, Mythos und Erinnerungskultur.
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Autor Metin Winkler
Metin Winkler
Mein Name ist Metin Winkler und seit 13 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Kultur, Glaube und Gesellschaft im Wandel. Diese langjährige Erfahrung hat mir eine tiefe Wertschätzung für die komplexen Zusammenhänge und die stetigen Veränderungen in unserer Welt vermittelt. Auf koelner-wegekreuze.de bringe ich meine Erkenntnisse ein, um Licht auf die Entwicklungen zu werfen, die uns heute prägen und morgen gestalten werden. Es ist mir wichtig, Hintergründe zu beleuchten, unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen und Ihnen dabei zu helfen, die oft vielschichtigen Strömungen unserer Zeit besser zu verstehen. Dabei lege ich Wert auf eine sorgfältige Aufbereitung der Informationen, damit Sie stets gut informierte und nachvollziehbare Einblicke erhalten.
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